Sie lebt aus Kirchen und Kapellen, Wallfahrten und Prozessionen, Chören und Messdienergruppen, aus Caritas-Konferenzen, Besuchsdiensten, Schützenmessen, Kitas und Schulseelsorge, Verbandsarbeit, Pilgerwegen, Pfarrfesten und vielen stillen Orten des Gebets und darüber hinaus noch viel, viel mehr. Vor allem aber lebt sie aus Menschen, die sich seit Jahren oder Jahrzehnten verlässlich engagieren. Dieses vielfältige Glaubensleben prägt die Städte und Dörfer unseres Erzbistums Paderborn.
Damit dieses Leben auch unter veränderten gesellschaftlichen und kirchlichen Bedingungen Zukunft hat, ordnet das Erzbistum Paderborn seine Seelsorgestruktur neu. Es geht dabei nicht allein um organisatorische Veränderungen, sondern um die grundlegende Frage, wie Kirche möglichst nah bei den Menschen bleiben kann – mit ihren Fragen, Hoffnungen und Sorgen. Die Neuordnung soll helfen, Seelsorge auch künftig verlässlich, vielfältig und relevant zu gestalten, da die Zahlen der hauptberuflichen Seelsorgerinnen und Seelsorger in den kommenden Jahren kontinuierlich abnehmen. Die Statistik für den Berufsstand der Priester macht dies deutlich: waren im Jahr 2025 noch 442 Priester im aktiven Dienst tätig, reduziert sich diese Zahl im Jahre 2034 auf nur noch 170 Priester im aktiven Dienst. Für die anderen Berufsgruppen Gemeindereferent:innen, Pastoralreferent:innen, Diakone sehen die Prognosen ebenfalls so aus.
Neue Seelsorgeräume – ein Rahmen für die Zukunft
Nach einer intensiven Phase der Information und Beteiligung – mit Regionalkonferenzen, Gesprächen in den Pastoralen Räumen und vielen Rückmeldungen aus der Bevölkerung – hat die Erzbischöfliche Leitungskonferenz gemeinsam mit dem Diözesanpastoralrat entschieden, künftig 21 Seelsorgeräume im Erzbistum Paderborn einzurichten. Sie entstehen zum 1. Advent 2026 und bilden den Grundstein für die weitere Entwicklung.
Die bisherigen Dekanate werden in der Regel zu Seelsorgeräumen. Für uns vor Ort heißt dies konkret: Das jetzt noch bestehende Dekanat Hochsauerland- West, bestehend aus Neheim, Hüsten, Alt-Arnsberg und Sundern, wird zum 01. Advent 2026 aufgelöst, und bildet dann einen gemeinsamen Seelsorgeraum.
Dieser Rahmen soll helfen, Kräfte zu bündeln, Verantwortung klarer zu ordnen und Seelsorge langfristig verlässlich zu gestalten.
Profilierung statt Zentralisierung
Diese Neuordnung soll keine Zentralisierung sein. Die Verantwortlichen aus der Bistumsleitung betonen, dass genau das Gegenteil beabsichtigt ist: Orte, wo kirchliches Leben stattfindet, sollen nicht aufgegeben, sondern gestärkt werden. Entscheidend ist die Frage, wo kirchliches Leben heute lebendig ist und Menschen erreicht.
Ein Seelsorgeraum soll künftig die Vielfalt seiner Orte bewusst wahrnehmen: Orte mit liturgischer Prägung, mit starker Kinder- und Jugendarbeit, mit caritativem Engagement, Kirchenmusik, Wallfahrtstradition oder lebendiger Dorfgemeinschaft. Aus diesen Profilen entsteht ein Netzwerk, in dem nicht alles überall stattfinden muss, aber vieles erreichbar bleibt.
Subsidiarität: Verantwortung bleibt vor Ort
Auch wenn die Verwaltungsebene künftig aus einer Pfarrei bestehen soll, bleibt das Prinzip der Subsidiarität (Eigenverantwortung) zentral: Was vor Ort entschieden werden kann, soll auch dort, ausgestattet mit einem finanziellen Budget, entschieden werden. Das Erzbistum plant daher mit sogenannten „Substrukturen“, wie es sie heute schon in Form von Gemeindeteams gibt. Sie bilden die Basis kirchlichen Handelns.
Solche Teams können sich um Jugendpastoral, Familienarbeit, Seniorenarbeit, Kirchenmusik, Trauerbegleitung, caritative Initiativen oder besondere Gottesdienstformen kümmern. Die Vielfalt der Themen bleibt erhalten – und wird bewusst unterstützt.
Verlässliche Orte des Glaubens
Eine besondere Rolle spielen künftig die „verlässlichen Orte“. Damit sind Kirchen, Kapellen oder andere Einrichtungen gemeint, an denen Menschen dauerhaft Ansprechpersonen und Angebote kirchlichen Lebens finden. Das können Gemeindehäuser, Kitas, Schulen, soziale Einrichtungen, Verbände oder geistliche Orte sein.
Dafür gibt es viele Anknüpfungspunkte: Besuchsdienste, Gruppenstunden, Begleitung in Kitas, Trauerpastoral, Kirchenmusik oder caritative Initiativen.
Ehrenamt als tragende Säule
Ohne Ehrenamt wäre kirchliches Leben nicht denkbar. Auch in den neuen Seelsorgeräumen bleibt es unverzichtbar. Die Gremien – Kirchenvorstand und Rat der Pfarrei (früher PGR)– werden künftig den gesamten Seelsorgeraum im Blick haben. Gleichzeitig sollen Menschen vor Ort weiterhin konkrete Verantwortung übernehmen können.
Um das Ehrenamt zu stärken, sind zusätzliche finanzielle Mittel für Begleitung, Qualifizierung und spirituelle Stärkung vorgesehen. Zudem soll jeder Seelsorgeraum eine hauptberufliche Engagementförderin oder einen Engagementförderer erhalten. Ihre Hauptaufgabe wird es sein, freiwilliges und ehrenamtliches Engagement zu unterstützen, ehrenamtlich Engagierte zu begleiten, zu gewinnen und zu vernetzen sowie neue Formen der Beteiligung im kirchlichen Leben zu entwickeln.
Neue Leitungsstruktur
Die Leitung der zukünftigen Seelsorgeräume wird dann von einem Team getragen: einem Pfarrer, einer pastoralen Koordination und einer Verwaltungsleitung. Dieses Trio soll pastorale, administrative und koordinierende Aufgaben miteinander verbinden und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Es arbeitet eng mit den gewählten Gremien zusammen und begleitet die Entwicklung des Seelsorgeraums.
Die geistliche „Ankerzeit“
Mit der Errichtung der Seelsorgeräume beginnt eine einjährige Übergangszeit, die bewusst geistlich gestaltet wird: die sogenannte „Ankerzeit“. Sie dauert von Advent 2026 bis Advent 2027. In dieser Zeit sollen sich Haupt- und Ehrenamtliche, Gremienmitglieder und Interessierte besser kennenlernen. Es soll Raum geben für geistliche Angebote, Gespräche über Glaubenserfahrungen und die Frage, woraus Christinnen und Christen in Zeiten des Wandels leben.
Bisher stehen vier gemeinsame Gottesdienste in dem neu entstehenden Seelsorgeraum fest:
- November 2026 (1. Advent) um 10:00 Uhr in St. Petri, Hüsten
- Februar 2027 um 10:00 Uhr in der Propstei, Arnsberg
- Mai 2027 (Pfingstmontag) um 10:00 Uhr als ökumenischer Gottesdienst auf der Seebühne, Sundern-Langscheid
- Oktober 2027 um 10:00 Uhr St. Johannes, Neheim
Wandel mit Respekt vor dem Gewachsenen
Viele Fragen und Unsicherheiten werden uns alle die kommenden Jahre begleiten: Was wird aus der eigenen Gemeinde? Wo werden Gottesdienste gefeiert? Was geschieht mit Gebäuden? Wie bleibt das Ehrenamt wirksam?
Aber vielleicht liegt in dieser Transformation (Wesensveränderung) unsere Chance gemeinsam Kirche so zu gestalten, dass sie für die Zukunft tragfähig ist.
Denn all diese Veränderungen werden ja nicht angestoßen, weil das Bisherige schlecht war. Nein! Sondern, weil eine Kirche, die sich nicht mehr bewegt, keine Menschen mehr anspricht.
Unsere Kirche hat sich in ihrer 2000jährigen Geschichte immer wieder verändert und neu aufgestellt. Sehen wir diese Herausforderung als eine Chance, dass wir in unserer Lebenszeit ein Stück Kirchengeschichte mitschreiben können und den Glauben lebendig und frisch halten können.